Alte Weisheiten
Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann. Hat mir meine Oma gesagt. Und dass meine Oma eine kluge Frau war, habe ich erst spät im Erwachsenenalter als Gedanken zulassen können.
Von meiner Mutter habe ich die Liebe zu Lebensweisheiten auf Tischkalendern und Postkarten mit in mein Leben genommen. Und weil ich kurz vor der Adventszeit Geburtstag habe, sind im Laufe der Jahre viele Kalender mit weisen Sätzen zu mir gekommen und haben mir Mut zugesprochen, lange bevor ich die Sätze von Karin mit großer Begeisterung in mein Leben integriert habe. Wahrscheinlich weil ich „vorgebildet“ war.
„Christoph, du brauchst nicht die Welt zu verändern. Du darfst deine Einstellung zu den Dingen auf der Welt verändern“, hat mein Vater mir mit auf meinen Lebensweg gegeben, kurz bevor er allmählich in das „Große Vergessen“ gegangen ist. Ändere deine Sicht auf die Welt und die Welt ändert sich, ist eine uralte Weisheit.
Es gehört zu den schönsten Kindheitserinnerungen im Schrebergarten zu sitzen, keine Lust auf Unkrautjäten zu haben und dann stattdessen von der Oma „Die sieben Raben“ vorgelesen zu bekommen. Oder morgens in ihr Bett zu kuscheln, den Rücken „gekillert“ zu bekommen und ein Märchen nach dem anderen zu hören, bis das Vorlesen mit den Worten: „So, jetzt ist mein Mund fusselig geredet,“ beendet wurde.
Glückliche Kindheitserinnerungen tragen ein ganzes Leben. Und dass dieser schöne Satz irgendwo und irgendwann auf einem Tischkalender verewigt ist, dessen bin ich mir ganz gewiss.
Was ich damit sagen will? Märchen sind wichtig. Nicht nur für Kinder. Und damit meine ich vorgelesene Märchen! Bei denen im Gehirn Bilder entstehen, die ein ganzes Leben lang tragen. Ich bin mir sicher: eine bessere Vorbereitung auf das Leben mit KI gibt es nicht. In höchstem Maße bildungswirksam. Wusstest du, dass Kinder im ersten Schuljahr noch in der magischen Welt der Märchen leben? Hier bietet die Waldorfpädagogik wunderbare Ansätze entwicklungsfördernder Denk- und Handlungsansätze.