Berufsorientierung
Berufsorientierung an Förder-, Haupt-, Gesamt- oder Berufsschulen finde ich das lebensnaheste (gibt es das Wort?) Unterrichtsfach überhaupt. Für mich als Lehrer immer eine Steilvorlage in der pädagogischen Wirksamkeit, an der Selbstverantwortlichkeit, der Selbstwirksamkeit und der Selbstbestimmung der SuS Lern- und Entwicklungsprozesse zu initiieren.
Das Schülerpraktikum, selber nur von dreiwöchiger Dauer, hat für mich und meine Kollegin das Potential, mindestens ein halbes Jahr ein Projekt zu sein: Vorbereitung, Durchführung und Auswertung zu füllen. Deutsch, Arbeitslehre, Gesellschaftslehre, Kunst, Mathematik, Sport und Religion waren die Fächer, die in das Projekt „Betriebspraktikum“ „ausgestrahlt“ haben. In Hessen gibt es eine Arbeitsgemeinschaft „Schule und Wirtschaft“. Es werden nicht nur interessante Betriebserkundigungen für Lehrer angeboten, sondern auch ein Wettbewerb „Der beste Praktikumsbericht“ durchgeführt. Auf Schul-, Bezirks- und Landesebene werden die ersten drei Plätze in einer feierlichen Veranstaltung geehrt.
In diesen Wettbewerb habe ich mich vom ersten Augenblick an verliebt. Jede Schülerin, jeder Schüler, die sich bereit erklärt haben, „Mehrarbeit“ zu leisten, damit einverstanden zu sein, in Vor- und Nachbereitungszeiten zwischen 5 und 10 Extratreffen mit mir zu investieren, sind nach erfolgreichen Ehrungen auf Bezirks- oder Landesebene ganz andere Persönlichkeiten geworden und standen plötzlich ganz anders im Leben, als vorher. Meine eindrucksvollste Erfahrung war, als eine Schülerin, nach mehr als einem Jahr Mehrarbeit, auf Landesebene so erfolgreich war, dass dies die Eintrittskarte für ihre Wunschausbildung geworden ist. In solchen Momenten habe ich Demut vor dem Leben empfunden.
Ein wunderbares Beispiel dafür, dass der Weg das Ziel ist und das erreichte Ziel das Sahnehäubchen obendrauf.