Ins Leben kommen
Während der Schwangerschaft und der Geburt werden in der Körperzelle Gefühlserfahrungen gespeichert, die uns das ganze Leben lang als „Urglaubenssätze“ unbewusst begleiten und zu „Lebensthemen“ werden. Gerald Hüther hat dazu spannende Erkenntnisse aus Sicht eines Gehirnforschers „in die Welt gebracht“ und in einem Seminar von Vision der Freude habe ich diese Erfahrungen als Erwachsener nacherleben dürfen. Ein für mich faszinierender Gedanke, dass ich immer wiederkehrende Themen in meinem Leben auf früheste Kindheitserfahrungen zurückführen kann. Besondere Beachtung darf dabei die Zeit der Vorsprachlichkeit bekommen, in der viele Traumata direkt in der Körperzelle, also körperlich, gespeichert werden. Stefanie Stahl ist zu diesem Thema eine Expertin, die mit einfachen Worten schwierige Zusammenhänge erklärt. Du kannst sicher sein, dass du zu den für dich „richtigen“ Videos, Podcasts und Büchern geführt wirst, wenn dich das Thema interessiert.
In den ersten Lebensjahren starten wir unseren Lebensweg nach dem Willen unserer Eltern. Sie vermitteln uns Wertevorstellungen, erklären uns „wie das Leben ist“ und wir sind in dieser Zeit sehr gebunden an die Vorstellungen, die unsere Eltern vom Leben haben. Robert Betz nennt diese Unfreiheit in den ersten Lebensjahren, die „alten Schuhe“, in denen wir noch lange durchs Leben laufen.
Die ersten 7 Lebensjahre sind gefüllt mit dem Lernen in der Schule des Lebens. Mit vielen Erfahrungen, die wir fühlen und über Gefühle in unser Leben integrieren. Leichtigkeit im Spiel zu erfahren, gehört zu den Kernthemen unserer Entwicklung. Wir lernen durch Nachahmung, sind verstrickt mit der Gedanken- und Gefühlswelt von unseren Eltern und spüren sehr schnell, dass wir uns Liebe durch Anpassung verdienen müssen. Meine Vorstellung von dem Sinn der ersten 7 Lebensjahre ist, dass in unserer Gefühlswelt viel Unordnung entsteht und es unsere Lebensaufgabe ist, diese Unordnung im Laufe unseres Lebens in Ordnung zu verwandeln.
Mit diesen Erfahrungen aus den ersten 7 Lebensjahren beginnt „der Ernst des Lebens“. Emotionale Erfahrungen zu machen wird gegen Wissensvermittlung eingetauscht. Begeisterung für den natürlichen Prozess des Lernens tritt immer mehr in den Hintergrund. Vernünftigsein wird immer mehr zur Norm. Wir entwickeln uns zum „Normalmenschen“. Danke Robert, für diesen Begriff. Über „Willst du normal sein oder glücklich“ gibt es sogar ein Buch von dir.
Mit etwa neun Jahren machen wir einen entscheidenden Entwicklungsschritt: wir nehmen uns als selbständiges Individuum wahr. In der Waldorfpädagogik nennt man das den „Rubikon“ überschreiten. Die „alten Denkmuster“ aus der Kindheit bleiben weiterhin aktiv und werden auch in der Pubertät nicht grundlegend verändert. Schade eigentlich – denn bis zum 26. Lebensjahr (also dem zweiten 13-Jahresrhythmus) werden viele Wertvorstellungen der Eltern in mein Leben integriert, von denen ich denke, dass es meine sind. Robert Betz sagt dazu: “ Und dann glaube ich, jetzt lebe ich MEIN Leben….“. In Wirklichkeit bin ich weiterhin abhängig von Glaubenssätzen der Ahnen und der Kindheit. „Normal“ zu sein, ist immer mehr Lebensziel, das mit Zielen im Leben gleichgesetzt wird. Ich gleite allmählich in die Lebensphase „Ich MUSS ES schaffen“, ohne zu hinterfragen, was „ES“ ist.